Angst vor okkulter Gruppierung

https://i.ytimg.com/vi/wKUhpEdIvkU/maxresdefault.jpg

Ein Beitrag der Welt vom 10.02.2005

Beatrix Klaffehn ist weit weggezogen vom südlichen Wendland. Vor mehr als sechs Jahren verließ die 39jährige die okkulte Gruppierung Thelema Society. Noch heute hat sie mit Folgen des psychischen Drucks und – wie sie sagt – menschenunwürdiger Behandlung zu kämpfen, der sie zweieinhalb Jahre lang unterworfen war. Die Thelema-Gruppierung, deren ehemalige Mitglieder von befohlenen Sexualpraktiken und Ekeltrainings berichten, ruft seit 20 Jahren Ängste in dem 1000 Einwohner zählenden Dorf Bergen an der Dumme im Kreis Lüchow-Dannenberg hervor.

„Die Gemeinde lebt mit einer diffusen Angst und kann nur schwer darüber reden“, sagt Stefan Elkarsheh. Der evangelische Pastor ist seit drei Jahren in der „Arbeitsgemeinschaft Sekten“ mit Vertretern von Schulen, Jugendpflege, Frauenhäusern und der Polizei zusammengeschlossen.
Ein Sprecher der Thelema Society sagte, „vieles, was uns angedichtet wird, ist schlicht falsch“. Er räumte jedoch einzelne Vorfälle ein, die sie selbst nicht als menschenwürdig bezeichnen würden.
Bergen ist der Hauptsitz der streng hierarchisch organisierten esoterischen Gruppe. 30 bis 40 Mitglieder leben dort in zwei Häusern und mehreren Wohngemeinschaften. Über zahlreiche Ausbildungsstufen sollen sie ihren „wahren Willen“ erlangen.
Der Gründer Michael Dietmar Eschner (55) war 1992 wegen Vergewaltigung und Mißhandlung einer 27jährigen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Andere Verfahren wurden aus Mangel an Beweisen eingestellt.

„Die Thelemiten verspüren in sich eine Göttlichkeit, der sie durch Rituale zum Durchbruch verhelfen wollen“, erklärt Ingolf Christiansen, Okkultismus-Experte der hannoverschen Landeskirche. Das Praktizieren von Ritualen in der Abgeschlossenheit des engeren Zirkels ohne Korrektur durch die Außenwelt führe zu einer Realitätsentfremdung. Problematisch sei vor allem, daß schon die Neueingeweihten zehn Regeln unterschreiben müßten, die zum Alkoholgenuß verpflichteten sowie mögliche Exzesse und gewaltsames Verhalten beinhalteten. Die Mitglieder sollen unter Strafandrohung auch angehalten sein, das gemeinsam Erlebte als Geheimnis zu wahren.

Eschner, der sich als Reinkarnation des 1947 gestorbenen britischen Okkultisten Aleister Crowley ausgibt, sucht sich seine Anhänger in Seminaren und über das Internet. „Auf neue Mitglieder wird durch totale Kontrolle extremer psychischer Druck ausgeübt“, sagt Ortrud Glowatzki. Die Mitarbeiterin des Lüchower Frauenhauses begleitete drei Aussteigerinnen. „Jeder muß einen Gehorsamseid abgelegen und dem Ausbilder sein täglich zu führendes Tagebuch vorlegen“.

Das ehemalige Mitglied Beatrix Klaffehn war über einen Meditations-Kurs der Volkshochschule zu den Thelemiten gekommen. Bei einer „Ausbildungsfete“ sei sie dann zum Konsum großer Wodka-Mengen und zum Sex mit dem „Guru“ genötigt worden. Das Lüneburger Landgericht hatte zwei Mitglieder der Gruppierung deshalb zu je 3000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Be Sociable, Share ✔️
  • Twitter
  • email
  • Add to favorites
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • PDF
  • Print
  • RSS
  • Tumblr

0 Antworten auf „Angst vor okkulter Gruppierung“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× acht = vierzig