Scharlatanerie

Rassismus & Verschwörungswahn im Namen des Herrn!

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Die Freie Nazarethkirche e.V. Gemeinde Berlin unter Leitung von Pastor Johannes W. Matutis

Über Recherchen zur ⇲ Boston Church of Christ war ich auf einen⇲ alten Artikel (1997) der Berliner Zeitung gestoßen, der sich – für damalige Zeiten – doch sehr intensiv mit dieser Bewegung rund um die Neue Nazarethkirche in Berlin auseinander setzte.

Und wie das so ist, man schaut sich im Netz die Seiten zur Neuen und Alten ⇲ Nazarethkirche an und weil ich am Berliner Artikel festhalten wollte, begutachtete ich schließlich noch die Seite der Freien Nazarethkirche (jetzt in Berlin – Reinickendorf); gehört sie schließlich zur ⇲ Freikirche der Pfingstbewegung.
Ich war erst einmal sehr positiv erstaunt von der ⇲ Gemeindegeschichte dieser Seite, z.B.:

Betreuung ehemaliger DDR-Bürger, Hilfsgüter in Kriegsgebiete, schmuggeln von christlicher Literatur in den Ostblock und das Einsetzen für verfolgter Christen dort. Bewahrung einer moslemischen Frau in Nigerien vor der Steinigung. Soziale Betreuung.

Klingt alles sehr human, um nicht zu schreiben, christlich. Oder?
Und da habe ich mich doch gefragt, wer dieser tolle Pastor Johannes W. Matutis wohl ist, der solch „Referenz“ auf seiner Seite führt.
Und der Stein kam ins Rollen…

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Offener Rassismus, Endzeitlosungen, Hetze und Verschwörungstheorien

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Nachdem mich bei seiner Namenssuche erst einmal zig Seiten rund um Chemtrails, verschwörungsideologische und rechte Blogs, Impfgegner und sonstige, unseriöse Seiten mit einer ⇲ Kettenemail (aus 2009) von Matutis vollknallten, fand ich dann doch noch ⇲ zu einer Seite, die diese Thematik etwas seriöser zu Worte gab.
Ich war schon kurz davor, aufzugeben und Matitut´s Kettenemail als Verschwörung dieser Quellen selbst anzusehen.

Confessio, die scheinbar einzig seriöse Quelle hierzu
Die Homepage ⇲ Confessio, ein Angebot des Evangelischen Bundes Sachsen und des Beauftragten für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, berichtet über: „End-Zeit-Vision – Falsche Prophetie zur Schweinegrippe inspiriert Verschwörungstheoretiker und Esoteriker“, kann aber leider auch die Ursprungsquelle von Matitus nicht nennen.
Was hat es also mit dieser ominösen Email auf sich, die sich im ganzen Internet wie ein Lauffeuer verbreitet hat?

Dank Internet-Archiv konnte ich diese ⇲ aber noch finden. Und die archivierte PDF-Datei von ihm gibt es dazu ⇲ hier.
Diese und andere solcher Schriften wurden mittlerweile von der Homepage der ⇲ extrem pfingstlerischen Freien Nazarethkirche gelöscht.

Und da wir zum Glück im Zeitalter des Social Media leben, machte ich mich natürlich auf Spurensuche, gleich zwei Profile [1] [2] sind bei Facebook über Matitus zu finden, der Inhalt war dann doch sehr abstoßend und im totalen Gegensatz, wie seine Gemeindegeschichte es auf seiner Seite kund tut:

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-- Facebook Johannes Matutis (Archivlink) --

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Es werden weiterhin folgende Beiträge geteilt: von Eva Hermann:
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-- Facebook Johannes Matutis (Archivlink) --

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… dem rechten Theologen David Berger:
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-- Facebook Johannes Matutis (Archivlink) --

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Udo Ulfkotte (Kopp-Verlag):
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-- Facebook Johannes Matutis (Archivlink) --

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Der Honigmann:
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-- Facebook Johannes Matutis (Archivlink) --

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… oder Kath.net:
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-- Facebook Johannes Matutis (Archivlink) --

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… die Deutschen Wirtschaftsnachrichten:
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-- Facebook Johannes Matutis (Archivlink) --

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und auch die EpochTimes:
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-- Facebook Johannes Matutis (Archivlink) --

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Endzeitstimmung
Wer sich die Mühe machen will, kann seine Reden ⇲ auf der Homepage von Freie Nazarethkirche e.V. verfolgen.
Sie sind gekennzeichnet von immer wiederkehreren Endzeitstimmungen, die dort von ihm verlautbart werden. Dafür braucht es die Ängste seiner Gemeinde.
Das Ganze wird garniert mit Hasstiraden, fremdenfeindlicher Hetze, dem verbreiten von Verschwörungstheorien – auch auf dem öffentlichen Facebook-Profil und dem vorsätzlichen schüren von Angst.

Man erfährt, das Udo Ulfkotte in der Freien Nazarethkirche ein gern gesehener Gast bei einer Büchervorlesung war und Pastor Matitus raunt an, das ⇲ Ulfkottes Tod ein „zur Seite geschafftes“ Ableben war.
Weiterhin: „Flüchtlinge sollen in ihrem Land bleiben und das Gott keinen Gefallen an diesen hat, da auf ihnen kein Segen liegt“. Oder so:

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-- Bildmontage aus Kommentaren von Johannes W. Matutis auf FB --

Wie das in ganzer Länge ausschaut & nicht aus dem Zusammehang gerissen; kann ⇲ hier nachgelesen werden, der andere Shot ist die ⇲ Aussage zu Udo Ulfkottes Anwesenheit in der Nazarethkirche von Pastor Johannes W. Matutis.

Seine Anhänger sind überwiegend dem rechtsoffenen bis hin zum rechten Spektrum zuzuordnen. Menschen, die seine Schriften im Internet verteilen und dafür werben, folgen ⇲ überwiegend auch diesen Ideologien. Da braucht man sich nur mal durch die Kommentare von Pastor Matitus lesen, es ist kein Einzelfall!
Pastor Matitus predigt Politik. Fremdenfeindliche Politik statt Religion/Glauben.

Was in dieser Kirche in Berlin-Wedding bzw. Reinickendorf also gepredigt wird, ist alles andere als Nächstenliebe sondern das schüren von Hass, Rassismus, dem verbreiten von Verschwörungsideologien und Treffpunkt ebendieser Leute.
Das sollte nicht unterschätzt werden!

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-- Like-Angaben auf VK eines Fans der Freien Nazarehtkirche --

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Wunderheiler Billy B. Smith
Weiterhin erfährt man über die Recherchen, das Billy Smith (Wunderheiler und „Pastor“ ⇲ Dauergast in der Pfingskirche von Matitus ist.
Über Smith hat auch schon ⇲ relinfo.ch sowie der ⇲ Berliner Kurier berichtet. Der Text von realinfo ist hierbei wärmstens zu empfehlen!

Nur ein Auszug aus realinfo:

Billy Smith sei seit 25 Jahren Missionar und zieht um die Welt, in 40 Ländern und 50 Bibelschulen habe er das Evangelium verkündet.
Auch bei Smith wird die Welt in Glaube und Unglaube, Gut und Böse, Gott und Teufel eingeteilt. Es geht jedoch aus der Homepage nicht hervor, in wessen Auftrag er herumreist.
Verkrüppelte, Blinde, gehörlose Menschen „haben Wunder erlebt“, Krebs- und AIDS-Kranke seien geheilt worden.
Vorbild für diese begeisterten Beschreibungen sind die Heilungswunder Jesu und das endzeitliche Wirken des Messias. „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören. Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt“ (Matth. 11,5). Die Kraft Jesu soll heute wirken und zum Zuge kommen.
Auf Bibeltexte oder-sprüche wird nur wenig oder kein Bezug genommen, beschwörende Hinweise auf Gott und Jesus sowie die Benutzung (!) der Heiligen Geistes müssen genügen.

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Ganz ehrlich?
Da geh ich lieber Pizza essen!

Mahlzeit!

Sein.de wirbt für das Universelle Leben

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Wenn mit dem Taler geläutet wird, öffnen sich alle Türen!
Es ist schon ein Unterschied, ob eine Homepage oder ein Blog Seiten zum ⇲ Universellen Leben verlinkt, als empfohlene Links in der Linkliste angibt oder ob man sich offensichtlich von einer Sekte bezahlen lässt – nur, damit die Kasse klingelt.

Nicht unbekannt ist, das Gabriele Wittek im ganzen Internet für ihren „Verein“ wirbt; auf Plattformen, ähnlich wie ebay-Kleinanzeigen (ich finde leider die Seite nicht mehr) wird dort in Massen für die verschiedensten Seiten (Radio, Verlage) vom Universellen Leben missioniert.

Eine Homepage, die so gesehen keine Plattform wie ebay-Kleinanzeigen darstellt, sondern ein esoterisches Magazin mit Sitz in Berlin von Eduard Aman ist, wohinter der Verlag (⇲ One-World-Verlag) steckt; schaltet solch Anzeigen ⇲ sowohl online als auch in Print (PDF):

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-- geschaltete Werbung im Magazin Sein.de der Wittek-Sekte --

Und nicht nur vom Universellen Leben sondern u.a. auch für die ⇲ Oneness/Bhagavan-Bewegung.
Kein Wunder also, dass das Magazin Sein.de bzw. der One-World-Verlag es somit schon ⇲ bis auf Psiram geschafft hat!

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-- Werbung für die Oneness/Bhagavan-Sekte bei Sein.de --

Und nein, ich habe das Magazin nicht studiert. Es reichen dort schon zwei, drei Artikel zum Lesen. Teils einstige Journalisten die heute an ⇲ Chemtrails glauben – verbreiten dort ihren Wust von angeblichen Wissen, das es nur noch zum Wegrennen ist!

Ich war neugierig, wie schnell man solch eine Anzeige schalten kann und wie kostenintensiv dies ist. Nach langem Suchen habe ich über Mediadaten endlich den Link dazu gefunden. Das kann man ⇲ hier sehr gut nachverfolgen und probieren. Man muss ja nicht vertraglich abschließen ;)

Reaktion

Auf eine Emailanfrage hin kam folgende Antwort; Zitatauszug:
danke für Ihren Hinweis, aber dies sind Anzeigen in unserer Rubrik „Kleinanzeigen“, die jeder selber online aufgeben kann. Wir können die
Inhalte und Auftraggeber der Anzeigen nicht kontrollieren, dazu haben wir gar nicht sie personellen Ressourcen.

In ihrem Impressum schreibt der Verlag allerdings:
❝ (…) Wir behalten uns das Recht vor, Beiträge und auch Anzeigen nicht zu veröffentlichen. (…) ❞

Unter ⇲ Allgemeine Geschäftsbedingungen bei Punkt 11 steht weiterhin:
❝ Die Zeitung hat das Recht, von Aufträgen, die in Form und Inhalt gegen geltende Gesetze verstoßen oder zu Bedenken sittlicher oder fachlicher Art Anlaß geben, ohne weitere Begründung Abstand zu nehmen. ❞

Woran liegt es also wirklich? Hat Gabriele Wittek etwa ein Jahres-Abo abgeschlossen?

Das Magazin Sein.de kommt immer wieder in die Kritik. Vor einigen Jahren veröffentlichte es noch Texte von ⇲ Peter Brunck, der ⇲ Autor des Magazin Sein.de für das Interview dafür extra in die Dominikanische Republik gereist ist.
Im Artikel von Sein.de selbst pries man Peter Brunck als ein: Mann an, der: „Kein Blatt vor den Mund nimmt. Ein weltweit bekannter Wissenschaftler, spiritueller Lehrer und Heiler, dessen Rat bei vielen Mächtigen in Politik und Wirtschaft gefragt ist.“
Und weiter: „Er leitet heute eine stetig wachsende spirituelle Gemeinschaft auf der Insel Hispaniola.“

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-- mittlerweile gelöschter Artikel aus dem Magazin Sein.de ---

Peter Bruck ist der ⇲ Sektenführer namens „Academy For Future Health“ (AFFH, „Akademie für zukünftige Gesundheit“) [1] [2] gewesen. Er wurde 2012 nach einer Schießerei und Razzia auf seinem Gelände festgenommen.
Für alle Interessierten: Trotz Löschung aller Artikel über Peter Brunck ist ⇲ dieser Beitrag hier bei Psiram noch erhalten geblieben.

Werbung als Arzt oder Therapeut

Als seriöser Arzt oder Therapeut sollte man gut hinschauen, wo man für sich werben lässt!
Ein Magazin, welches ⇲ totalitäre Sekten bewirbt, kann kein Gegenstand für eine positive & seriöse Therapie sein, die vielleicht mitunter auch Sektenaussteiger beraten.

Die totalitäre Wittek-Sekte

https://web.archive.org/web/20170205221110/http://www.br.de/themen/religion/religion-glaube-bayern-844~_v-img__16__9__xl_-d31c35f8186ebeb80b0cd843a7c267a0e0c81647.jpg?version=383f3

Das „Universelle Leben“ (UL) der Gabriele Wittek, früher „Heimholungswerk“ (HHW)

Die Wittek-Gruppe bietet in großem Umfang Waren und Dienstleistungen an und ist dem Psychomarkt zuzuordnen.
Schwerpunkt sind die Branchen wie: Medien, Gesundheit und Lebensmittel. Die Gruppe ist unter zahlreichen Namen in einigen Vereinen und zahllosen Wirtschaftsunternehmen organisiert.

Universelles Leben (UL) ist eine totalitäre & aggressive Sekte, deren Anhängerzahl in Deutschland auf mehrere Tausend bis mehrere Zehntausend geschätzt wird.
Die sich als Glaubensgemeinschaft verstehende Gemeinschaft hat einen Buchverlag, eine Ladenkette für vegetarische Lebensmittel und andere kommerzielle Unternehmungen. Allein im Handelsregister von Würzburg sind mehr als 140 „Christusbetriebe“ eingetragen.
Hinzu kommen ständig wechselnde Gewerbebetriebe. UL ist daneben durch die HG Naturklinik Michelrieth (vormals auch als „Christusklinik“ bekannt) auf dem Gebiet der Alternativmedizin tätig.
Die Gruppe sieht sich als Anfang des erstrebten „Christusstaates“ der einmal alle anderen politischen Systeme ablösen soll. Anhänger des Universellen Lebens nennen sich auch „Freie Urchristen“.

Laut Domaintools sind die Seiten: Universelles Leben als auch HG Naturklinik (ehemals Christusklinik) auf Alfredo E. Cotroneo aus Milano mit der dazugehörigen Organisation: Wornex registriert.
Der Internetauftritt der Wornix SRL beläuft sich ebenfalls auf Cotroneo. In Milano gibt es den Sitz: Libri Vita Universale – Universelles Leben, auch diese Seite wird von Alfredo E. Cotroneo geführt.

Gabriele Wittek – „Prophetin und Botschafterin Gottes“
Gründerin des „Universellen Lebens“ (Abk: UL) ist Gabriele Wittek geborene Maden, aus Wertingen (Bayrisch-Schwaben), geb. 1933. Sie ist die spirituelle Führungspersönlichkeit und wird intern als „Prophetin und Botschafterin Gottes“ bezeichnet. Ihre Verkündungen seien nach ihrer Ansicht „der zu erfüllende Auftrag Gottes eines Propheten“.
Das Selbstverständnis des Universellen Lebens stützt sich auf die biblischen Schriften, aber auch auf die Privatoffenbarungen ihrer Gründerin. Dabei vermischen sich christliche Botschaft, Reinkarnation und Vegetarismus aber auch mit apokalyptischen Endzeit- und Untergangsszenarien.

Das UL betreibt biologischen Landbau und vermarktet seine landwirtschaftlichen Produkte. Es ist durch eine eigene „Christusklinik“ (jetzt HG Naturklinik Michelrieth) auf dem Gebiet alternativer Medizin tätig. Das UL bietet Kurse an, die das verschüttete Bewusstseinszentren freilegen sollen. Diese bauen insbesondere auf Konzentrations- und Meditationsübungen auf.

Im Marktheidenfelder Ortsteil Altfeld unterhält das Universelle Leben ein eigenes Gewerbezentrum mit verschiedensten, sog. „Christusbetrieben“. Die Betriebe des UL betätigen sich u.a. in der Bauerstellung und -vermarktung, im Bereich der EDV sowie der Familienhilfe. Es gibt viele Arten von Handwerksbetrieben, so z.B. Schreinereien, Webereien, Schneidereien und Gärtnereien. Sogar eine eigene Bank (Christliche Genossenschaftsbank).
Besonders wichtig ist für das UL der pädagogische Bereich. Neben Kindertagesheimen, Kindergärten und -horten betreibt das Universelle Leben seit 1991 eine eigene Schule, deren Grundlage seine Glaubenslehre bildet. Anfang 1995 übernimmt die „Bundgemeinde Neues Jerusalem“ die Verantwortung für das UL. Dabei handelt es sich um den Inneren Anhänger-Kreis des UL, ungefähr 800 Personen, die in stark reglementierten Wohngemeinschaften zusammenleben.

Der Organisation ist auch eine politische Partei angegliedert: Urdemokraten für Recht und Freiheit. Seit 1990 ist die Gruppe mit einem Sitz im Gemeinderat von Hettstadt vertreten.
Außerdem wird eine Nachrichtenagentur betrieben, die CNA – Christliche Nachrichten-Agentur.

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Jugendgefährdende Inhalte durch die Sekte: Universelles Leben, hier Lusttoeter, durch den Verlag Das Brennglas

Die kommerzielle Aktivität von UL ist umfangreich und unübersichtlich:

Bibliotheks-Café & Restaurant Marktheidenfeld (über Sophia-Bibliothek/Gabriele-Verlag Das Wort GmbH)
ALL-SEIN Grundstücksverwaltung (ALL-SEIN Grundstücksverwaltungsgesellschaft mbH, ALL-SEIN Beteiligungs-Fonds GmbH und 5 weitere Gesellschaften)
Apostel Kräuter Naturprodukte Versand GmbH
BGV Betriebsgesellschaft für Veranstaltungen mbH
Bleib Gesund Natur-Versand AG, Birsfelden, Schweiz
》 Bund-Gemeinde NEUES JERUSALEM
Bürger beobachten Kirchen e.V.
CB Beteiligungsgesellschaft der Mitarbeiter GmbH (bis 1998 Vereinigte Christusbetriebe Holding GmbH)
Christusschule (private Grund- und Hauptschule „Lern mit mir im Universellen Leben“, Schulverein „Ich helfe Dir“ e.V.) in Esselbach
Christusstaat
Cosmos Chic Textil GmbH (2011 erloschen)
Das Karussell – Handels GmbH
Das Universelle Leben Aller Kulturen Weltweit e.V.
Diagnostisches Centrum für Mineralanalytik und Spektroskopie DCMS GmbH GF Dr. Hans-Günter Kugler, Dr. Carsten Wirr (davor mit Arno Schneider); Dr. Carsten Wirr ist gleichzeitig im Impressum der HG Naturklinik geführt
Die Neue Zeit TV (Vita Vera Verlags GmbH, Bremgarten, Schweiz)
Einkaufsland (Einkaufsland Altfeld GmbH & Co. KG, Einkaufsland Altfeld Verwaltungs-GmbH. Unter dem Dach dieses Supermarkts existieren außerdem weitere Einzelhands- und Dienstleistungsbetriebe des UL und von UL-Anhängern)
Erde und Mensch TV (Erde und Mensch TV GmbH, Seregno (MI), Italien)
ES Bau und Handel GmbH & Co. KG
Fleisch macht krank! oder auch: Internationales Institut für Erfahrungsheilkunde e.V. Vorstand: Dr. med. Hans-Günter Kugler (1. Vorsitzender), Dr. med. Arno Schneider (2. Vorsitzender), André Aellig (Sekretär)
Gabriele-Stiftung (G.S. Stiftung Verwaltungs-GmbH)
Gesellschaft für Betriebssicherheit Altfeld GmbH
Gutes vom Johannishof Gut für Tiere GmbH & Co. KG
Gut Axis Vitae GmbH (vormals Hin zur Natur GmbH)
Gut Terra Nova GmbH, Gut Terra Nova GmbH & Co. Betriebs-KG (Gut Greußenheim)
Gut zum Leben Nahrungsmittel GmbH
Heimat für Tiere – Neue Zeit e.V., Birkenfeld
Helfende Hände Soziale Dienste e.V.
Helios Stiftung (Helios Stiftung Verwaltungs GmbH)
HG Naturklinik Michelrieth GmbH GF Sebastian Spoerhase, Dr. Carsten Wirr (gleichzeitig Diagnostisches Centrum für Mineralanalytik und Spektroskopie DCMS GmbH), Dr. med. Peter Thurneysen
HG Physikalische Therapie Praxisvereinigung GmbH (Die Ölkanne, in der HG Naturklinik Michelrieth)
Ich helfe Dir e.V. (unter diesem Namen wird eine Privatschule betrieben)
Innere- Geist-Christus-Kirche
Internationales Institut für Erfahrungsheilkunde (IIFEh) e.V.
Kirchenopfer (Webauftritt)
Kindergärten des „Kindergartenland e.V.“ in Altfeld
Kosmo Bio-Nahrungs GmbH, Kosmo Bio-Nahrungs GmbH & Co. Beteiligungs KG
Kosmo Data Abrechnungs-Service GmbH (Werbeagentur)
Lebe Gesund (mehrere GmbH für Herstellung und Vertrieb von Lebensmitteln)
Leben im Geiste Gottes e.V.
N. J. Güter Verwaltungs-GmbH
Phönix – Schöner Leben GmbH
Radio Santec GmbH (Tochterunternehmen vom Verlag Das Wort GmbH; betreibt u.a. Sophia TV)
Santec Media GmbH
Santec Music GmbH
Santec Studio und Druckerei GmbH
Schloss Gelchsheim (Zentrum für Gesundheit und Vitalität Schloss Gelchsheim GmbH, Schloß Gelchsheim GmbH & Co. KG, Schloss Gelchsheim Service GmbH, Schloß Gelchsheim Verwaltungs GmbH)
Siedlergemeinschaft im Universellen Leben e.V.
Spart euch die Kirche (Webauftritt)
TV-Sender Neu Jerusalem weltweit GmbH
Universelles Leben Verein zur Förderung und zum Schutz des Lebens für Mensch und Umwelt e.V.
Vegetarische Restaurants Aglio e Olio GmbH
Vegetarisch genießen via Verlag Das Brennglas GmbH; Geschäftsführer German Murer
Verlag Das Brennglas GmbH
》 Verlag Das Brennglas GmbH – Die Lusttoeter
》 Verlag Das Weisse Pferd GmbH
》 Verlag Das Wort GmbH
Wir sind für Sie da Dienstleistungs-GmbH („Handwerker für Alle“ im „Einkaufsland“)
》 Zeitschrift Das Friedensreich
》 Zeitschrift Der Steinadler und sein Schwefelgeruch

(Die Liste ist ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Aktualität)

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Hinzu kommen „Kulturträgervereine“:

Kultur im Leben und Denken e.V.
Studenten im Universellen Leben e.V. – Gesellschaft für Wissenschaften im Universellen Leben e.V.

Man kann die Vereine und Firmen ihrem Zweck nach grob in vier Gruppen einteilen:

Verbreitung der eigenen Ideologie (z.B. die Verlage Das Wort und Brennglas, Radio Santec, Sender Neu-Jerusalem)
Vertrieb von Waren. UL erwirtschaftet einen großen Teil seiner Einnahmen durch die Vermarktung von Bio-Produkten, die z.B. under den Marken „Gut zum Leben“ oder „Lebe Gesund“ verkauft werden. Die Produkte werden teilweise in den sogenannten „Christusbetrieben“ angebaut, in denen Sektenmitglieder nicht selten ehrenamtliche Arbeit im Obst- und Gemüseanbau sowie in der Landwirtschaft leisten. Seit einigen Jahren werden auch Luxusgüter gekauft (Einkaufsland).
medizinische Dienstleistungen
Immobilienhandel und ähnliches

Beurteilung durch deutsche Gerichte

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof erklärte:

„Die Ausgestaltung des Gemeindelebens, wie sie aus der „Gemeindeordnung“ des „Universellen Lebens“ hervorgeht, darf in scharfer und überspitzter Formulierung ohne Verfassungsverstoß als totalitäre Struktur bezeichnet werden.“
– Az. 7 CE 93.2403/M 7 E 93.1976

In die Urteilsbegründung des Gerichts fließt das Gutachten des Diplompsychologen Alfred Spall vom 12. Juli 1993 ein:

„Ziel sei erkennbar nicht der selbständig denkende und damit mündige Mensch, sondern der, der das Denken bereits überwunden habe, der sich der Ideologie des Werkes kritiklos unterwerfe.‘ […] Die Entindividualisierung wird nur als Läuterung, als bewusste Umwandlung des negativen […] deklariert. Der Mensch, der in Gott wurzele, halte sich von all den Diskussionen und Meinungen der Mitmenschen fern.“

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Anti-Jagd-Proteste und Demos, hier Berlin

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Zum Abschluss eine eindringliche Dokumentation, gegen die das Universelle Leben geklagt hatte:

Der Film des Hessischen Rundfunks (HR) sorgte 1993 in Unterfranken für Wirbel. Unter dem Titel „Das Seelenkartell – Geheime Machenschaften einer Sekte“ hatten Ulrike Bremer und Kamil Taylan einen Film über das Universelle Leben (UL) gedreht, der am 10. Dezember im Abendprogramm der ARD gesendet wurde.
16 Jahre nach seiner Ausstrahlung beschäftigt der Streifen erneut die Gerichte.
Die Gemeinschaft um die UL-Prophetin Gabriele Wittek fordert die Entfernung des 44-Minuten-Videos aus dem Fundus des Landkreis-Medienzentrums Altötting. UL-Rechtsanwalt Christian Sailer hat einem Bericht der „Passauer Neuen Presse“ (PNP) zufolge einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht München eingereicht. Sailer argumentiert, der HR-Beitrag von 1993 sei „voller Hetze“, die Sachverhalte seien gegenstandslos und veraltet. Außerdem sei der Landkreis zu weltanschaulicher und religiöser Neutralität verpflichtet.
Der ARD-Beitrag beleuchtet unter anderem die Rolle zweier zum damaligen Zeitpunkt wichtigen Männer „hinter der Prophetin“, die im UL-Firmen- und Finanzkonzern ganz oben standen. Die beiden liefen Sturm gegen den Film, Gerichte kamen allerdings zu der Überzeugung, die von den „Christusfreunden“ beanstandeten Textpassagen seien vom Recht auf freie Meinungsäußerung und der Freiheit der Berichterstattung gedeckt

In der Zwischenzeit gab es in der Führungsetage der Gemeinschaft Veränderungen. Das System der Ausbeutung vieler Gutgläubigen durch einige wenige funktioniere aber nach wie vor, sagen Aussteiger. Nach wie vor steht auch Gabriele Wittek an der Spitze des UL. Die heute 76-Jährige tritt nur nicht mehr öffentlich als „Sprachrohr Gottes“ in Erscheinung.
Der Landkreis Altötting wehrt sich gegen das Ansinnen der „Christusfreunde“. Bei dem HR-Video handele es sich um ein Zeitdokument, so der Altöttinger Rechtsanwalt Gerhard Michel, nicht um die persönliche Meinung des Landkreises. Im Medienzentrum gebe es kritische Beiträge auch über Franz-Josef Strauß und die katholische Kirche. Der Beitrag übers UL ist seit 2000 neun Mal von Schulen ausgeliehen worden.

Ein Urteil des Verwaltungsgerichts München wird in Kürze erwartet. Dem Vernehmen nach geht das UL wegen des HR-Beitrags auch gegen das Erzbistum Köln, die Erzdiözese München-Freising und das evangelische Dekanat Bad Windsheim vor.

Universelles Leben – Das Seelenkartell – Die geheimen Machenschaften einer Sekte

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Recherchen entstammen aus folgenden Quellen & weiteren Verweisen zum nachlesen; einige Links davon sind archiviert:

Michelrieth.de, AGPF (Die Wittek-Sekte), AGPF (Das Universelle Leben und die Gerichte), Katja Riebel, religio.de (Universelles Leben/Wittekismus), Religionsinfo (Universelles Leben ehemals: Heimholungswerk Jesu Christi), Psiram, Wikipedia, Bayrischer Rundfunk, Indymedia, Wiener Zeitung, BBS Wertheim, Tagesspiegel sowie AGWelt

Psycholyse: Mordanklage gegen Garri R. aus Berlin

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Spiegel Online, 10.05.2010
Berlin – Seit sieben Monaten sitzt Garri R. in Untersuchungshaft, in den vergangenen acht Wochen musste er sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie fünffacher Körperverletzung vor dem Berliner Landgericht verantworten.

An diesem Montag erging im Saal 500 des Berliner Landgerichts das Urteil gegen den umstrittenen „Dr. Psycho“, den „Einfühlsamen“, den „Todestherapeuten“, wie ihn einige Boulevardblätter nach der tödlichen Therapiesitzung vom 19. September 2009 nannten. Zwei Menschen starben damals in der Praxis des Berliner Arztes, nachdem sie Drogen konsumiert hatten. Ein weiterer Patient lag wochenlang im Koma. Zusätzlich zu der Haftstrafe verhängte das Gericht ein Berufsverbot.

Zu Prozessbeginn im März hatte der Therapeut die Verantwortung für den Tod der Patienten übernommen und eingeräumt, den Umgang mit illegalen Substanzen völlig falsch eingeschätzt zu haben. Der Staatsanwalt hatte wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie fünffacher Körperverletzung acht Jahre Haft und ein lebenslanges Berufsverbot gefordert. Die Verteidigung sprach von einem tragischen Unglücksfall und beantragte eine Haftstrafe von nicht mehr als drei Jahren.

Das Gericht stellte nun fest, dass R. „seine berufliche Stellung missbraucht“, gegen ärztliche Pflichten „eklatant verstoßen“ und damit leichtfertig den Tod von zwei Menschen verursacht hatte. „Schlimmer geht’s nicht“, erklärte der Vorsitzende Richter Ralph Ehestädt, der allerdings auch ein „erhebliches Mitverschulden der Patienten“ konstatierte, welche freiwillig die Substanzen eingenommen hatten.

Dem Angeklagten wurde untersagt, zukünftig als niedergelassener Arzt und Psychotherapeut zu arbeiten. Da er weiter an seiner gefährlichen und nicht anerkannten Therapieform festhalte, sei ein solches Berufsverbot nötig. Das Gericht schloss allerdings eine zukünftige „Tätigkeit in einem Team in einem Krankenhaus“ nicht aus, da es dort „nicht zu solchen Vorfällen kommen“ könne, hieß es in der Urteilsbegründung. Auch dass der 51-Jährige mehr als zwei Jahrzehnte „beanstandungsfrei“ als Arzt gewirkt habe, sei berücksichtigt worden.

Mit dem Urteil folgte das Gericht im Wesentlichen dem Antrag des Staatsanwalts. Die von dem Ankläger geforderten acht Jahre Haft hielt die Kammer allerdings für „deutlich überzogen“.

Reise in den Tod

Rückblick: An einem sonnigen Samstagvormittag hatten sich zwölf Anhänger des Berliner Arztes in dessen Praxis im Ortsteil Harmsdorf versammelt, um gemeinsam „auf eine Reise zu gehen“. Als Fahrschein für den Ausflug ins Unbewusste dienten zwei Substanzen, die der praktizierende Arzt für seine Patienten bereithielt: Gegen elf Uhr bietet R. Kapseln mit dem Wirkstoff Neocor an, einer auch unter dem Namen MDMC bekannten psychoaktiven Substanz aus der Gruppe der Amphetamine.

Die Partydroge ist im Betäubungsmittelgesetz bisher nicht erfasst, der Konsum mithin legal. Die Langzeitnebenwirkungen sind allerdings weitgehend unbekannt. Vor allem in Kombination mit anderen Substanzen gilt das Risiko unter Experten als unberechenbar.

Laut Zeugenaussagen vor dem Landgericht schien auf der Psycho-Sitzung zunächst alles nach Plan zu laufen. Die Patienten machten es sich in behaglichem Ambiente bequem, hörten Musik. Nach etwa zwei Stunden jedoch füllte R. Pulver in Gläser ab, je etwa 120 bis 140 Milligramm Ecstasy, dessen verheerende Wirkung eine Tragödie auslösen sollte.

Auf einer elektronischen Waage hatte R. die Menge bemessen, die ihm laut eigener Aussage „groß“ vorkam. Zu diesem Zeitpunkt stand der Arzt allerdings bereits selbst unter Drogeneinfluss, hatte LSD genommen, weil ihn dies „besonders einfühlsam“ bei der Arbeit mache. Nach Blutuntersuchungen stand während des Prozesses fest: Die verabreichte Menge war etwa 10- bis 20-mal so hoch wie die sonst übliche Dosis.

Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten: Mehrere Patienten wurden von heftigen Krämpfen heimgesucht, zitterten und wälzten sich am Boden. Ein Mann riss sich die Kleider vom Leib, andere weinten oder mussten sich übergeben. „Bleibt bei euch! Das ist das Böse in der Welt, das Böse in uns“, soll Garri R. laut Zeugenaussagen die Patienten beschworen haben.

Der 59-jährige Joachim K., ein trockener Alkoholiker, krümmte sich auf dem Boden und wurde schwarz im Gesicht. R. spritzte Valium und Morphin, dann wurde der Notarzt gerufen – zu spät für den Frührentner, der an multiplem Organversagen starb. Auch der 28-jährige Marcel K. erliegt am Abend im Krankenhaus seinen schweren Vergiftungen. Fünf weitere Patienten müssen ärztlich behandelt werden, ein 55-Jähriger liegt lange im Koma.

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„Es gibt keine unbedenkliche Dosis“

Der Gutachter im Prozess, der Toxikologe Benno Rießelmann, hatte unmissverständlich erklärt, dass die Reaktion des Einzelnen auf Ecstasy vollkommen unberechenbar sei. „Es gibt keine unbedenkliche Dosis. Bei gleicher Menge sind Personen individuell unterschiedlich intoxiniert.“ Ihm sein Fälle bekannt, bei denen Konsumenten bereits nach einmaliger Einnahme wochenlang in der Psychiatrie behandelt werden mussten.

Scharf hatte Staatsanwalt Matthias Weidling in seinem Schlussplädoyer die „esoterische Borniertheit“ und „ideologische Verblendung“ des Angeklagten angeprangert. Der Arzt habe seine Patienten als Versuchskaninchen benutzt, so Weidling. R. habe seine Patienten über die Gefahr der Therapie nicht umfassend aufgeklärt.

Ursprünglich hatte die Anklage auch auf versuchten Mord gelautet, weil R. vorgeworfen wurde, er habe Marcel K. vor dem Notarzt verstecken wollen, um die Rauschgiftabgabe zu vertuschen. Staatsanwalt Weitling ließ den Anklagepunkt fallen, erklärte aber: „Der Vorwurf ist keineswegs absurd, sondern war schlichtweg nicht nachweisbar.“

Im Prozess sprach R. von „großer Trauer und Schuld“. Er habe die Drogen falsch eingeschätzt, sagte er. „Er wollte das nicht“, betonte der zweite Verteidiger Marcel Kelz, der von fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung ausging. „Unsere Strategie war größtmögliche Offenheit“, sagte Rs. Anwalt Ferdinand von Schirach im Interview mit „Legal Tribune Online“. Sein Mandant sei ein „aufrechter Mensch, der falsch gehandelt hat“. R. stelle die Therapieform „und damit sein Leben“ heute in Frage.

Kelz sagte im Anschluss an die Urteilsverkündung, es sei noch nicht entschieden, ob sein Mandant Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen werde. Die Staatsanwaltschaft, die acht Jahre Haft gefordert hatte, kündigte an, eine Revision zu prüfen.

„Joachim war voll daneben, halluzinierte“

Mehrere ehemalige Patienten hatten vor Gericht Partei für den Arzt ergriffen. R. habe sie durchaus über mögliche Nebenwirkungen der verabreichten Substanzen aufgeklärt. Es sei zudem in keiner Weise Druck zum Rauschgiftkonsum ausgeübt worden. Möglichen Risiken der Therapie seien selbstverantwortlich eingegangen worden, so die Zeugen.

Die Witwe des getöteten Patienten hatte schwere Vorwürfe erhoben: Schon fünf Monate vor der tödlichen Drogensitzung habe ihr Mann heftig auf Ecstasy-Konsum bei R. reagiert. „Joachim war voll daneben, halluzinierte“, so die Frau. „Ich war dort wie gefangen in einem Spinnennetz“, so die Zeugin weiter. Zwar sei kein Zwang oder Druck ausgeübt worden, aber alles sei „so klebrig“ gewesen. „Ich ging hin, um meinen Missbrauch aufzuarbeiten – und wurde wieder missbraucht“, sagte die 60-Jährige aus.

Garri R., Vater von vier Kindern, wurde in Taschkent in Usbekistan geboren und kam im Alter von 16 Jahren nach Deutschland. In Berlin studierte er Medizin und arbeitete in verschiedenen Krankenhäusern. Er war Landarzt im hessischen Eschwege, führte eine Praxis in Kassel und machte 2000 eine Zusatzausbildung zum ärztlichen Psychotherapeuten. Seit 2005 ist R. niedergelassener Arzt in Berlin.

Drei Jahre lang soll R. bei dem umstrittenen Psychiater Samuel Widmer in die Lehre gegangen sein. Der Arzt praktiziert die sogenannte „psycholytische Psychotherapie“, bei der unter anderem durch den Konsum „bewusstseinserweiternder“ Drogen Depressionen behandelt werden. Widmer lebt mit zwei Frauen und neun Kindern in der Schweiz, unterrichtet an einer „therapeutisch-tantrisch-spirituellen Universität“, seine sexuell befreiten Anhänger hat er in der „Kirschblütengemeinschaft“ vereint.

R. habe bei ihm gelernt, mit den Substanzen umzugehen, sagte Widmer nach dem Vorfall in Berlin dem SPIEGEL. „Er wollte so sein wie ich“, vermutete der umstrittene Psychiater. Garri sei allerdings kein „Märtyrer der Psycholyse“ – im Gegenteil: „Er hat ihr schwer geschadet.“

Der Fall Garri R. ist auch Bestandteil dieser 44minütigen, sehr spannenden Doku von ARD/Beckmann aus 2015: